RKV Neuhausen/VELO Club

…….es ist geschafft, 760 km und 7.215 HM Tourbegleitung als Einzelfahrer des RKV Neuhausen/VELO Club mit Silke, Manne, Markus und Dieter S.bei der ETT 2020 vom 30.8. – 5.9.2020.
Pünktlich, nach dem ausgiebigen Frühstück ab 6.30 Uhr, ging die ETT 2020 am Sonntag um 9 Uhr von Stuttgart nach Rottweil los und pünktlich um 9 Uhr fing auch der bereits angekündigte Dauerregen an, der uns den ganzen Tag bis Rottweil begleitete, bei 14 Grad sicherlich kein Vergnügen. Die Stimmung war trotz Regens gut und die ausgesuchte Strecke über Tübingen und Haigerloch ebenso, wir kamen völlig durchnässt und ausgekühlt aber pünktlich in Rottweil an und freuten uns schon auf die heisse Dusche und warme Zimmer und jeder wünschte sich eine Waschmaschine für die nassen und schmutzigen Radklamotten. Ein sehr gutes Abendessen und Frühstück am nächsten Morgen und die trockenen und sonnigen Wetteraussichten stimmten alle wieder gut und so ging es auch hier, nach einer kurzen Ansprache des Rottweiler Bürgermeisters, mit Sonnenschein und abgetrockneten Straßen um 9 Uhr los, das Etappenziel war Konstanz. Die Strecke war sehr schön und die Temperatur stieg nach anfänglichen 12 Grad auf ca. 20 Grad, unsere Stimmung stieg im gleichen Maße wie die Temperatur. Die Strecke war abwechslungsreich und führte über Tuttlingen und Radolfzell nach Konstanz wo wir auch hier sehr gastfreundlich im Hotel und beim Abendessen begrüßt wurden. Nach einem langen Abend und einer kurzen Nacht folgte das ausgiebige und gute Frühstücksbüffet, dann die Verabschiedung durch den stellv. Bürgermeisters von Konstanz und der Start zur 3. Etappe. Um 9 Uhr radelten wir zur Fähre nach Meersburg, die wir auch pünktlich durch begleitende Polizisten auf Motorrädern mit Blaulicht erreichten. Nach der Überfahrt über den Bodensee ging es dann über die Steigungen des Heiligenberg mit kurzer Rast und sehr leckeren und knusprigen Salami/Käseseelen weiter……sollte es weitergehen…..doch die zwischenzeitlich aufgezogene Regenwolke mit ordentlich Regen gefüllt, entleerte sich ausgiebig mit großen Tropfen über uns, das Warten machte keinen Sinn da die Vorhersage des Regenradars eine längere Regenphase ankündigte. Auch hier wurden wir wieder völlig durchnässt und auf 8 Grad abgekühlt, eine sichere Fahrt bei diesen Temperaturen war schon eine Herausforderung für alle Teilnehmer, denn bei solchen Temperaturen wird das Zittern unweigerlich auf den Lenker übertragen und so mussten sich alle auf eine neue Fahrweise einstellen…..Der Regen lies Gottseidank nach ca.2 Stunden nach und wir erreichten, zwischenzeitlich durch den Fahrtwind getrocknet, das sehr schöne Hotel in Biberach in dem wir wieder ein sehr gutes Abendessen serviert bekamen. Nach dem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen ging die Fahrt zur 4. Etappe von Biberach über Laupheim und Blaustein teilweise an der Blau entlang nach Aalen in ein schönen Hotel, welches zum Schluss über eine 12%-ige Straße erreicht wurde. Auch hier gab es wieder ein gemeinsames eingenommenes gutes Abendessen und am nächsten Morgen ein ausgiebiges Frühstück. Die 5. Etappe führte von Aalen über Bergbronn nach Rothenburg ob der Tauber über reizvolle relativ Autofreie Straßen. Die Zimmer wurden verteilt und abends wurde das Abendessen in einem naheliegender Restaurant mit zünftigen Speisen eingenommen, die dazu gereichten Kaltgetränke wurden ebenso gerne konsumiert. Die 6. und vorletzte Etappe führte uns über landschaftlich reizvolle Verkehrsarme Strecken von Rothenburg über Künzelsau nach Mainhardt, dort wurde vor der Zimmerbelegung erst einmal 1 oder 2 Weizenbiere konsumiert, da der Elektrolythausgleich des warmen Tageserfolgen musste. Nach einem guten und ausgiebigen Abendessen folgte am nächsten Morgen das ebenso ausgiebige Frühstück, dann die Verabschiedung durch den BM von Mainhardt………..danach ging es pünktlich um 9 Uhr los zur 7. und letzten Etappe über Gaildorf nach Esslingen, welches wir vereinbarungsgemäß um 14 Uhr zur Begrüßung mit Sektempfang aus einer dort ansässigen Sektkellerei erreichten. Um 16 Uhr fuhren wir, letztmalig mit Blaulicht durch Begleitung von 4 Polizisten auf Motorrädern, zu dem gebuchten Hotel in Nähe der FH Esslingen. Das Abendessen wurde in einem bekannten Esslinger Restaurant serviert, es wurde an diesem letzten Abend noch sehr viel über die vergangenen Tage gesprochen, diskutiert und gefachsimpelt. Zwischenzeitlich kannte man alle Namen der Piloten und Co-Piloten der 14 Tandems, den 9 Einzelfahrern und den Begleitpersonen, die uns während der gesamten Tour ausgiebig und professionell verpflegt und betreut haben, herzlichen Dank nochmals an dieses Team……….allerhöchsten Respekt für die Leistung aller Tandem-Teams vor allem an die Co-Piloten, welche alle durch eine Sehbehinderung gehandicapt sind.
Danke an die Organisatoren der HEM Schwerger Stiftung und ProRetina……..Wir sind bereit für die Euro Tandem Tour 2022…….RKV Neuhausen/VELO Club……..Dieter S.

NRWZ - Neue Rottweiler Zeitung –

Sehbehinderte Radler im Regen: Euro 2020 Tandem-Tour in Rottweil angekommen

Von Peter Arnegger (gg)

  1. August 2020

Erstes Etappenziel erreicht: Die mehrtägige Euro 2020 Tandem-Tour ist am frühen Sonntagabend in Rottweil angekommen. Menschen mit Sehbehinderung radeln mit. Am Sonntag leider bei strömendem Regen.

Begleitet von mehreren Fahrzeugen und abgesichert durch die Polizei erreichten die am Sonntagmorgen in Stuttgart gestarteten Radler am Abend Rottweil. Über Tübingen hatte die Route geführt, übers Berner Feld ging es die alte B 27 hinab und hinauf in die historische Innenstadt. Das Ziel: die Jugendherberge. Und eine heiße Dusche, vermutlich.

Veranstaltet wird die Tour von der HEM-Schwerger Stiftung in Neuhausen. Dort in der Nähe, in Esslingen, wollen die Teilnehmer am kommenden Samstag, nach sechs Tourtagen, ankommen. Sie werden dann durch Tuttlingen und Konstanz, Biberach, Aalen und Rothenburg geradelt sein.

„Wenn Menschen mit Sehbehinderung aufs Tandem steigen, dann erleben alle Rückenwind“, so das Motto der sportlichen Veranstaltung. Man wolle beweisen, „wie großartig es sein kann, wenn Menschen gemeinsam Projekte und Ziele angehen und dabei mühelos Barrieren überwinden.


Euro-Tandem Tour legt einen Zwischenstopp in Neuhausen ob Eck ein

Neuhausen ob Eck(wr) – Blinde und sehbehinderte Fahrer treten derzeit an der 11. Euro-Tandem Tour kräftig in die Pedale und legen vom 30. August bis zum 5. September über 700 Kilometer zurück. Auf der zweiten Etappe am Montag radelte der 150 Meter lange Tross mit Begleitung von vier Polizeimotorrädern von Rottweil über Tuttlingen nach Konstanz. Bei einem Zwischenstopp in Neuhausen ob Eck wurden die Teilnehmer durch SAV-Radtreffleiter Karsten Utecht und dem stellvertretenden Bürgermeister Markus Seeh begrüßt und in der Homburghalle mit Speis und Trank versorgt. Mit der Rundfahrt soll auf Netzhauterkrankungen und ein gleichberechtigtes Zusammenleben sehender und seh- behinderter Menschen aufmerksam gemacht werden. „Gemeinsam eigenständig sein“, lautet das Motto der Tour, die in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann steht.

14 Tandem-Teams mit sehendem Piloten und sehbehindertem/blindem Co-Piloten, acht Einzelfahrer, sowie vier Begleitfahrzeuge und unter stellen sich dieser Herausforderung.

Unter ihnen ist auch Horst Schwerger, mit seiner HEM-Schwerger Stiftung seit 2010 Veranstalter der Tour. Der 82-Jährige, selbst Betroffener, radelt zum 11. Mal mit: „Die Diagnose ist ein Schock, denn eine Netzhautdegeneration kann zu schwerer Sehbehinderung führen. Nichts desto trotz gibt es Chancen für Neuanfänge – beruflich wie sportlich. Dank der Euro-Tandem Tour können sich auch sehbehinderte/blinde Menschen einer großen sportlichen Herausforderung stellen und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben mit sehenden Menschen werben“. Die sportliche Leistung dabei ist beachtlich, werden doch jeden Tag um die einhundert Kilometer zurückgelegt!

Weitere Informationen unter www.hem-stiftung.de

Bild: Die Euro-Tandem Tour wurde von Karsten Utecht und Markus Seeh (von rechts) in Neuhausen ob Eck empfangen.

Foto: Winfried Rimmele

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Esslinger_Zeitung

Römer-Sprudel für die Euro-Tandemradler

Bürgermeister Damian Komor spendet den Teilnehmern an der 11. Euro-Tandemtour der Horst- Schwerger-Stiftung Mainhardter Mineralwasser als Stärkung für ihre letzte Etappe nach Esslingen

von Gustav Döttling

"Ich fühle mich schon fit für die letzte Etappe", sagt Friedrich Zahn. Im Hof des Mainhardter Hotel Löwen in Stock an der B14 bereitet sich der vom Fahrradfahren begeisterte Kreisrat aus Gaildorf am Samstagmorgen als "Pilot" eines Tandems mit seinem tauben und blinden Tandempartner Gerd Jeremies aus Dresden auf die letzte von sieben Etappen der 11. Euro-Tandem-Tour der HEM-Schwerger-Stiftung aus Neuhausen/Fildern vor. Die 77 Kilometer lange Strecke wird die 14 Tandemteams und acht Einzelradler von Mainhardt durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald über Welzheim nach Esslingen führen. "Wir lernen bei dieser Tandem-Radtour nicht nur die tolle Landschaft zwischen dem Bodensee und Hohenlohe kennen, sondern sind auch noch für einen caritativen Zweck unterwegs, das ist eine gute Sache", sagt Zahn. Er ist zum zweiten Mal bei der Tour dabei. "Aber bestimmt nicht zum letzen Mal sagt der Gaildorfer Kreisrat. "Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und haben vom Start in Stuttgart am 30. August bis heute auf den ersten sechs Etappen 630 Kilometer zurückgelegt", berichtet Streckenplaner Karl- Heinz Picard. Er wirkt zum zehnten Mal bei der Organisation der Euro-Tandemtour mit. Dabei hätten die Radler täglich zwischen 1000 und 1500 Höhenmetern zurückgelegt. Die längste Tagesetappe habe über 130 Kilometer geführt. Übernachtet wurde in Hotels und zwei Mal in Jugendherbergen. Pro Etappe gibt es drei Pausen. Für die Stärkung und Unterstützung sorgen ein Verpflegungswagen und zwei Begleitfahrzeuge. Für die Sicherheit des Radlerverbandes im Straßenverkehr sind vier Polizeimotorräder und ein Polizeiauto, die mit Blaulicht voraus- und hinterherfahren, verantwortlich. Herbert Sauerwein fährt den "Besenwagen". "Wir hatten in sechs Tagen nur einmal einen Platten und sonst nur kleinere technische Probleme mit Bremsen und Ketten", erzählt der Besenwagenfahrer, der auch bei der Wartung der Tandems und der Einzelräder hilft. "Ich hock hinten", erzählt Adelheid Traub (66) aus Gaildorf, eine von fünf Frauen im Feld der Eurotour-Radler. "Ich bin zum siebten Mal dabei, jede Etappe hat ihren Reiz. Der Zusammenhalt ist toll, wir sind wie eine große Familie", schwärmt die sehbehinderte Tandemfahrerin. "Die drei Teilnehmer aus Gaildorf haben hier ja ein Heimspiel", scherzt Maren Schwerger (60), die Tochter des Gründers der HEM-Schwerger- Stiftung für die Förderung von Ehrenamt und Netzhautforschung.

Der ehemalige Bauingenieur und Bauunternehmer Horst Schwerger (82) und seine Tochter sind beide sehbehindert. Mit der Euro-Tour, die alle zwei Jahre stattfindet, wollen sie ein Zeichen für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen setzen. "Ich habe schon 14000 Kilometer in den Beinen, früher waren wir bis London, Paris oder Rom unterwegs", erzählt der rüstige Rentner Horst Schwerger, heute Tandem-Copilot. Neben der Aktion Mensch unterstützen der Radsportverein Neuhausen/Filder und zahlreiche Sponsoren die Tandem-Tour. Als Schirmherr fungiert Ministerpräsident Wilfried Kretschmann. "Ich habe mich sehr gefreut, dass Mainhardt auf ihrem Streckenplan als Station zwischen großen Städten auftaucht", begrüßt Bürgermeister Damian Komor den Radler-Tross am Samstagmorgen kurz vor dem Etappenstart im Hof des Hotels Löwen im Stock. Der Schultes stellt seine Kommune mit ihren 52 Wohnplätzen vor und spendiert zur Stärkung ein paar Kästen Römersprudel für die Etappenpausen. "Das wird uns nochmals Power geben", bedankt sich Maren Schwerger für die Spende. Dann rollt der Radlerverband auch schon, eskortiert von blinkenden Polizeifahrzeugen, auf der B14 in Richtung Hütten davon. Wirtin Adeline Kühnle und ihr Personal winken von der Eingangstreppe des Hotels hinterher. "Das waren tolle Gäste", sagt die Wirtin.

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Ein ungeahntes Gefühl von Freiheit

800 Kilometer Radeln im Tandem – eine Tour fördert die Inklusion von Sehbeeinträchtigten. Moritz Osswald

Esslingen. Der gelbe Tross biegt zielstrebig um die Ecke. Geschafft und glücklich kommen die 13 Tandem-Räder mit dem restlichen Team am Alten Rathaus in Esslingen an. Die Sportlerinnen und Sportler liegen sich in den Armen, Fotos werden geknipst, der Sekt wird geöffnet. 800 Kilometer Strecke liegen hinter den Radlern. Sie sind dabei nicht nur von sportlichem Ehrgeiz gepackt: Die „Euro Tandem Tour“ will ein Bewusstsein für Netzhaut-Erkrankungen in der Gesellschaft schaffen. Eine sehbehinderte Person fährt dabei mit einem Piloten auf einem Tandem-Fahrrad. Das Fehlen des Visuellen stört dabei niemanden. Maren Schwerger erklärt: „Man kann so viel über Gerüche wahrnehmen.“

Sie ist die Tochter von Horst Schwerger, dem Gründer der HEM-Schwerger-Stiftung in Neuhausen. Er organisiert die Touren seit mehr als 20 Jahren. Seine Tochter Maren leidet an Retinitis pigmentosa, einer genetisch bedingten Netzhaut-Erkrankung. „Aber das Gehirn erzeugt Bilder“, sagt Schwerger. Muhende Kühe, wiehernde Pferde, der duftende Dill am Wegesrand – all das nimmt sie wahr.

Aus der Euro-Tour wurde dieses Jahr eine Ländle-Tour. Das Motto: „Europa der Regionen“ . Von Stuttgart über Tübingen nach Rottweil schafften die Teilnehmer in der ersten Etappe knapp 111 Kilometer. Stets dabei: der „Informationsbus“. Damit will das Team der Tandem-Tour die Bevölkerung über Krankheiten der Netzhaut und deren Folgen aufklären. Denn die Beeinträchtigungen sind unterschiedlich. Bei vielen Netzhaut-Degenerationen, so der Fachjargon, schwindet die Sehkraft mit der Zeit. Betroffene können – je nach Verlauf und Alter – noch Texte lesen oder sich grob orientieren. Um Menschen mit diesen Erkrankungen Teilhabe im Alltag zu ermöglichen, braucht es eine inklusive Gesellschaft, sagt Andrea Lindlohr (Grüne), Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Esslingen: „Inklusion ist noch nicht da. Daher müssen wir Schritt für Schritt das öffentliche Leben so gestalten, dass alle Menschen daran teilhaben können“.

Die Radel-Partner müssen einander vertrauen können. Der Pilot vorne hat das Kommando, dessen Partner mit Sehschwäche hinten hilft beim Strampeln. Und Maren Schwerger erzählt begeistert: „Es ist ein interessantes Gefühl von Freiheit.“ Das Vertrauen in die andere Person, die ganze Gruppe, auch in die eigenen Fähigkeiten – all das macht die Tandem-Tour zu einem Erlebnis für die Radelnden.

Etwa drei Wochen vorher fangen die Sportfreaks mit dem Training an – die Vorbereitungen für die Tour dauern allerdings ein ganzes Jahr. Der „grauen Eminenz“ Horst Schwerger sieht man sein Alter nicht an. Auch mit 82 Jahren schwingt er sich auf den Drahtesel: „Ich fahre noch so schnell wie alle anderen.“

Die Anstrengung dient schließlich einer guten Sache: Schwergers Stiftung fördert die Forschung im medizinischen Bereich. So könnten vielversprechende Therapien oder sogar eine Heilung eines Tages Realität werden.